Graz


Graz
Graz:
Landeshauptstadt der Steiermark.

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Graz,
 
Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Steiermark, erstreckt sich über 12 km beiderseits der Mur nach ihrem Austritt aus den Alpen (Grazer Bergland) ins Grazer Becken, 353 m über dem Meeresspiegel, 128 km2 groß, mit (1999) 240 000 Einwohner zweitgrößte Stadt Österreichs; Stadt mit eigenem Statut und Verwaltungssitz des Bezirks Graz-Umgebung.
 
Graz ist Sitz des katholischen Bischofs von Graz-Seckau; Verwaltungszentrum mit Sitz von Landesregierung, Landtag, aller Bezirks- und Landesbehörden, des Oberlandesgerichts für Steiermark und Kärnten, der Landesfinanz- und der Postdirektion sowie weiterer Behörden; bedeutendes kulturelles Zentrum mit Karl-Franzens-Universität (1585 gegründet), Technische Universität (seit 1875), Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Forschungseinrichtungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Bundeshandelsakademie, Höhere Bundeslehranstalt für Frauenberufe, Pädagogische Akademie des Bundes, Landeskonservatorium, zahlreichen höheren Lehranstalten und Schulen sowie Bibliotheken; Landesmuseum Joanneum mit Zeughaus u. a. Außenstellen (u. a. Schloss Eggenberg mit Jagdmuseum), Stadtmuseum mit Garnisonsmuseum, Diözesanmuseum, Österreichisches Schloss- und Schlüsselmuseum, Straßenbahnmuseum u. a. Museen; Opernhaus (Restaurierung 1985), Landestheater, Forum Stadtpark, Festival »Steirischer Herbst«; Bundesstadion in Liebenau.
 
Graz ist wichtige Messe- und Kongressstadt (»Grazer Congress«, seit 1980) und ein wirtschaftliches Zentrum. Unter den Industriezweigen führen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Anlagen- und Apparatebau, Metallindustrie (u. a. Herstellung von Kesseln, Turbinen, Waggons, Fahrrädern), Bauwesen, gefolgt von Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Brauereien u. a.), chemische und pharmazeutische, elektrotechnische und Elektronikindustrie, ferner Papier-, Textil- und Schuhindustrie sowie Druckereien und Verlage. Aufgrund seiner Lage ist Graz auch ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt; südlich der Stadt der Flughafen Thalerhof mit dem Österreichen Luftfahrtmuseum.
 
 
Die Stadt (2003 »Kulturstadt Europas«) wird von dem zentral gelegenen Schlossberg (bis 473 m über dem Meeresspiegel, ein isolierter Dolomitkegel; Bergbahn) überragt, auf dem der Glockenturm (1588) einer 1809/10 abgetragenen Kirche und der Uhrturm von 1561 (Uhr von 1712), das Wahrzeichen der Stadt, stehen. Um seinen Fuß erstreckt sich die Altstadt mit der Stadtburg (1438-53, 1494-1500 um den Maximiliansbau und den Treppenturm mit der gegenläufigen Doppelwendeltreppe erweitert) und der spätgotischen Domkirche Sankt Ägydius (1438-62) mit reicher, v. a. barocker Ausstattung. Spätgotisch sind auch die Bürgerspitalkirche zum Heiligen Geist (1461-98), die Franziskanerkirche (um 1500) mit gotischem Kreuzgang und die Stadtpfarrkirche zum heiligen Blut (Anfang 16. Jahrhundert, mit Bauteilen der ehemaligen Dominikanerkirche von 1439/40; Barockfassade, 1741/42). Älteste Kirche der Stadt ist die frühgotische Leechkirche (1275-93) des Deutschen Ordens mit Glasmalereien (um 1330). Das Landhaus (1527-67, heute Landtagsgebäude) mit dreigeschossigem Arkadenhof und prunkvoller Einrichtung des 18. Jahrhunderts wurde Vorbild der frühbarocken Schlossbauten in der Steiermark. Der spätere Kaiser Ferdinand II. ließ seit 1614 sein Mausoleum errichten, eines der bedeutendsten österreichischen Bauwerke im Übergang zum Barock; im Innern hervorragende Stuckarbeiten, Hochaltar nach Entwurf von J. B. Fischer von Erlach (1695-97). Die zahlreichen Palais zeigen die Entwicklung des Palastbaus (u. a. »Krebsenkeller«, Dompfarrhof, 16. Jahrhundert; die Palais Kollonitsch, Lengheimb, Welsersheimb, 17. Jahrhundert; die Palais Attems, Wildenstein, 18. Jahrhundert). In den westlichen Vororten die Schlösser Eggenberg (1625-35, mit wertvoller Innendekoration) und Gösting (1724-28). Zahlreiche Bürgerhäuser (älteste aus dem 16. Jahrhundert), zum Teil mit Laubengängen und Arkadenhöfen. Der Lesliehof (1665-74) wurde Kern des 1811 gestifteten Joanneums; im Palais Herberstein (um 1754) Neue Galerie des Joanneums. Das historische Zentrum von Graz wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
 
 
In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts entstand auf dem heutigen Schlossberg ein Grenzkastell (slawisch gradec »kleine Burg«); vor 1130 wurde dort auch eine Burg errichtet. Am Fuß des Schlossberges lagen eine Kirche und ein Meierhof, Kernzelle der späteren Vorstadt Sankt Leonhard. Die Herren von Traungau gründeten nach 1156 die große Anlage um den Hauptplatz und machten Graz, 1164 als Markt, 1233 als Civitas erwähnt, zum Mittelpunkt ihres neuen Landes (ab 1192 im Besitz der Babenberger; ab 1222 Münzrecht); 1233 entstand die Kommende des Deutschen Ordens am Leech. Unter Herzog Leopold III. wurde Graz 1379 Hauptstadt des Landgebiets der leopoldinischen Habsburger und 1440 Residenz König Friedrichs III. (ab 1452 Kaiser, bis 1484 in Graz). Die Bedrohung durch Ungarn und Türken führte seit 1543 zum Bau mächtiger Festungsanlagen auf dem Schlossberg und um die Stadt. Im 16. Jahrhundert wurde Graz überwiegend protestantisch; 1564 erhob es Erzherzog Karl II. zur Residenz von Innerösterreich. Er gründete im Zuge der Gegenreformation 1586 die Universität und übergab sie den seit 1571 ansässigen Jesuiten. 1600 mussten die Protestanten, unter ihnen auch J. Kepler, Graz verlassen. Nach der Krönung Erzherzog Ferdinands (I.) zum Kaiser (1619) und der Übersiedlung des Hofes nach Wien behielt Graz bis 1749 den Rang einer Hauptstadt Innerösterreichs. 1809 wurde die Festung geschleift. Die im 19. Jahrhundert entstandenen, sich sehr ausdehnenden Fabrikviertel wurden 1938 eingemeindet.
 
 
Histor. Jb. der Stadt G. (Graz 1968 ff.);
 
850 Jahre G., hg. v. W. Steinböck (ebd. 1978);
 
G., bearb. v. H. Schweigert (Wien 1979);
 
Die Kunstdenkmäler der Stadt G., bearb. v. A. Sztatecsny u. a., auf mehrere Bde. ber. (ebd. 1984 ff.);
 F. Popelka: Gesch. der Stadt G., 2 Bde. (Neuausg. Graz 1984);
 E. Münzer u. H. Heikenwälder: G., ein Begleiter durch die Stadt (ebd. 21988).

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Graz: Hauptstadt der Steiermark.

Universal-Lexikon. 2012.

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